Das THG soll G9-Zug bekommen

08. Februar 2012  Allgemein, Presseecho

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Der Verwaltungsausschuss stimmt einmütig gegen den Vorschlag der Stadt, am Schubart-Gymnasium G9 einzuführen

Eigentlich hatte die Stadtverwaltung vorgeschlagen, für das Schubart-Gymnasium einen G9-Zug in Stuttgart zu beantragen. Doch der Verwaltungsausschuss hat sich am Mittwoch fast einstimmig dagegen ausgesprochen und will die neunjährige Oberschule am Theodor-Heuss-Gymnasium. OB Martin Gerlach schwenkt in öffentlicher Sitzung um, jetzt wird wohl ein Antrag für das THG gestellt.

Aalen. Zur Erinnerung: Ende 2011 hatte es in Aalen eine heftige Diskussion gegeben. Das Theodor-Heuss-Gymnasium unter dem neuen Direktor Helmut Kühnle hatte einen Antrag gestellt, der Gemeinderat nicht öffentlich debattiert. Dann gaben der geschäftsführende Direktor Michael Weiler vom KGW und Schulbürgermeister Fehrenbacher eine Pressekonferenz, auf der sie erklärten, Aalen werde keinen Antrag auf einen G9-Zug stellen, trotz des Wunsches von Kühnle. Daraufhin entstand eine Flut an Protesten und Leserbriefen, auch am Schubart-Gymnasium setzten sich die Eltern durch und forderten jetzt einen G9-Zug mit einer neunjährigen Schulzeit an der Oberschule.

Nach viel Hin und Her hat die Stadtverwaltung am Mittwoch im Verwaltungsausschuss einen Vorschlag unterbreitet, beide Anträge von THG und SG zuzulassen, aber eine Präferenz für das Schubart-Gymnasium auszusprechen. „Der Städtetag empfiehlt, mehrere Anträge auf einen G9-Zug zu stellen, aber eine Priorität anzugeben“, erklärte OB Martin Gerlach dieses Vorgehen. Dem wolle er nun nachkommen. Nach langer Abwägung habe sich die Verwaltung entschieden, den Antrag des Schubart-Gymnasiums zu priorisieren. „Das Kultusministerim schreibt vor, dass ein G9-Zug in der Regel an vierzügigen Gymnasien eingerichtet werden soll“, begründete Gerlach seine Entscheidung. Weil die Chancen daher beim deutlich schülerreicheren SG besser seien als beim THG, plädiere er dafür, obwohl zwei pädagogisch gute Konzepte vorlägen.

Auch Schulbürgermeister Wolf-Dietrich Fehrenbacher (SPD) sprach sich dafür aus: „Ich tue mich schwer in der Entscheidung, aber für das SG spricht die Größe.“ Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass der Elternwille eindeutig sei und dass man den Schülern die Möglichkeit anbieten solle, in 13 Jahren zum Abitur zu kommen.

Die Gemeinderäte bewerteten dies alles ganz anders. Zunächst kritisierten sie das Vorgehen der Rathausspitze. „Wer Schulpolitik gegen den Willen der Eltern macht, befindet sich auf dem Holzweg“, sagte CDU-Fraktionschef Dr. Karl Franke. Dr. Thomas Battran (Grüne) kritisierte, die Stadtverwaltung habe versucht, das Thema am Gemeinderat vorbei zu behandeln, dank des Einsatzes von THG-Direktor Kühnle sei das verhindert worden. Und Roland Hamm (Linke/Pro Aalen) bezeichnete den Vorgang als „suboptimal“, der Gemeinderat sei viel zu spät eingeschaltet worden: „Dann ihm noch vorzuwerfen, er habe eine Debatte zur Unzeit angestoßen, ist sogar hochgradig suboptimal.“ Fehrenbacher widersprach: „Der Gemeinderat hat eine Debatte zur Unzeit angestoßen, die Presseberichte haben Unruhe bei den Eltern ausgelöst.“

Vor allem aber widersprachen fast alle Räte dem Ansinnen, dem Schubart-Gymnasium den Vorzug zu geben. „Dann würden an beiden Schulen Platzprobleme entstehen“, meinte CDU-Fraktionschef Karl Franke. Schon jetzt habe das SG mehr Schüler als das THG, letzterem könne ein neues Profil als G9-Schule nicht schaden. Auch SPD-Fraktionschef Albrecht Schmid erklärte, es gebe in der SPD eine Tendenz zum THG: „Die Vierzügigkeit wird nicht zwingend vorgeschrieben.“ Thomas Battran erklärte, schon jetzt platze das Schubart-Gymnasium aus allen Nähten, während im THG Räume leerstünden. Zudem habe Kühnle durch seinen Einsatz die G9-Debatte erst möglich gemacht.

Dies unterstrich auch Roland Hamm: „Mein Herz schlägt eher für den, der sich zuerst vorgewagt hat als für den, der nachgezogen ist.“ Allein Bernhard Ritter, der Fraktionschef der FDP/FW, verwies auf die besseren Erfolgsaussichten des SG, weil es jetzt schon „faktisch vierzügig“ sei. Aber auch seine Fraktion sprach sich mehrheitlich für das THG aus.

Angesichts dieser Übermacht lenkte OB Martin Gerlach ein: „Wenn eine so große Mehrheit für das THG ist, werde ich auch dafür stimmen.“ Man wolle einen einstimmigen Beschluss nach Stuttgart tragen.

CDU-Fraktionsvize Uschi Barth zweifelte indes an, ob die Stadtverwaltung „mit vollem Herzblut“ einen Antrag unterstütze, den sie eigentlich nicht für richtig halte. Gerlach und Fehrenbacher versicherten dies aber. „Ich sehe hier eine große Einigkeit“, sagte letzterer am Ende der Debatte, „für Aalen spricht vor allem die Zentralität und die Einwohnerzahl.“

Nächste Woche entscheidet der Gemeinderat dann endgültig.

RAFAEL BINKOWSKI

© Schwäbische Post 08.02.2012


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